Schularchiv

Unterrichtszeiten

Der Bereich Unterrichtszeiten enthält Dokumente zur zeitlichen Struktur des Schulbetriebs. Dazu gehören Unterlagen aus den Jahren 1932,
1940 und 1952, etwa zu Unterrichtsbeginn während Fliegeralarmen, Pausenzeiten und zur Verlängerung der Sommerferien. Die Materialien geben Einblicke
in die zeitliche Struktur des Schulbetriebs unter verschiedenen historischen Bedingungen.




Unterrichts und Pausenzeiten 1932

Im Laufe der vergangenen 100 Jahre wurden die Unterrichts- und Pausenzeiten immer wieder angepasst. Gründe dafür waren unter anderem Veränderungen
der Stundenlängen sowie die Abstimmung auf die Abfahrts- und Ankunftszeiten von Bus und damals noch Eisenbahn. Interessant ist, dass der
Unterrichtsbeginn der ersten Stunde heute wieder wie 1932 um 7:45 Uhr liegt. Zumindest während des Zweiten Weltkriegs kam es hier zu zeitweiligen
änderungen. Die im Bild gezeigte übersicht entstand in einer Phase, in der die Unterrichtsstunden auf 50 Minuten verlängert worden waren. Diese
Regelung wurde bereits 1933 wieder aufgehoben, sodass man zu 45-Minuten-Stunden zurückkehrte. Damals gab es drei Pausen, in denen die Schülerinnen und
Schüler den Schulhof betreten beziehungsweise verpflichtend aufsuchen mussten. Heute umfasst der Vormittag sechs Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten
und maximal drei weitere am Nachmittag. Zwischen 9:20 und 9:40 Uhr sowie zwischen 11:15 und 11:30 Uhr liegen zwei große Pausen, ergänzt durch drei
fünfminütige Kurzpausen zwischen den übrigen Stunden. Der Vormittagsunterricht endet um 13:05 Uhr; nachfolgende Stunden sind ebenfalls durch
fünfminütige Pausen getrennt. Die neunte Stunde endet derzeit um 15:35 Uhr. Diese Regelung gilt seit mindestens vier Jahrzehnten.

alternative Erklärung

Die 45 Minuten Unterrichtsstunde

Im 19. Jahrhundert waren in Preußen Unterrichtsstunden von 60 Minuten Dauer vorgeschrieben. Damals war es üblich, am Vormittag vier Stunden ohne
offizielle Pause und am Nachmittag zwei weitere Stunden zu unterrichten. Die zweistündige Mittagspause nutzten viele Schülerinnen und Schüler, um zu
Hause zu essen und ihren Vätern das Mittagessen an den Arbeitsplatz zu bringen. Der Schultag dauerte somit teilweise von 7 Uhr morgens bis 17 Uhr am Nachmittag,
an Samstagen bis 13 Uhr. Mit dem Aufkommen der sogenannten Fahrschüler wurden diese langen und zergliederten Tage zunehmend unpraktikabel. Um den Unterricht
ausschließlich auf sechs Vormittage pro Woche zu konzentrieren, führte man im August 1911 an preußischen Gymnasien erstmals die 45 minütige Unterrichtsstunde ein.
Verschiedenen Quellen zufolge orientierte man sich dabei auch am sogenannten akademischen Viertel der Universitäten, wo die einstündige Vorlesung ebenfalls rund 45 Minuten dauerte.
In der Weimarer Republik stellte man Mitte bis Ende der 1920er Jahre, also zur Gründungszeit unserer Schule, auf sechs Unterrichtsstunden zu je 50 Minuten um, in der Hoffnung,
damit eine gleichmäßigere Tagesstruktur zu erreichen. Diese Regelung führte jedoch an vielen Schulen zu organisatorischen Problemen, wie auch aus der im Archiv
überlieferten Korrespondenz hervorgeht. Für den Winter 1931/32 wurde daher zunächst einigen Schulen, zu denen die Deutsche Oberschule in Aufbauform Fredeburg nicht gehörte,
erlaubt, wieder zu 45 Minuten Stunden zurückzukehren. Im Juli 1932 erfolgte eine Befragung aller höheren Schulen der Provinz Westfalen zu den Erfahrungen mit 50 Minuten Stunden.
Die erste Seite der entsprechenden Antwortbögen ist im Archiv überliefert. Bereits im Oktober 1932 bestand die Möglichkeit, verkürzte Unterrichtsstunden in der sogenannten dunklen
Jahreszeit zu beantragen. Von dieser Möglichkeit machte die Schulleiterin, Studiendirektorin Margret Middeler, umgehend Gebrauch, ihr Antrag wurde wenige Tage später genehmigt.
Am 18. Februar 1933 führte der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung per Erlass die 45 minütige Unterrichtsstunde wieder allgemein ein. Der Erlass sah vor,
dass alle Pflichtveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler innerhalb von sechs Vormittagsstunden stattfinden mussten, freiwillige Angebote wie Arbeitsgemeinschaften
konnten am Nachmittag folgen. Damit standen von Montag bis Samstag 36 Unterrichtsstunden für den Pflichtunterricht zur Verfügung. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die
Stunden zeitweise verkürzt, an der Oberschule für Jungen in Aufbauform Schmallenberg beispielsweise 1941 auf 40 Minuten. Nach Kriegsende setzte sich die 45 minütige Unterrichtsstunde
als allgemein anerkannte Regel durch. In europäischen Nachbarländern variiert die Länge der Unterrichtsstunde bis heute. Sie beträgt meist 45 Minuten, etwa in Dänemark, der Schweiz,
Tschechien und Polen, und teilweise 60 Minuten, zum Beispiel in den Niederlanden. Nach der Einführung des sogenannten G8 Systems im Jahr 2005 wechselten einige Schulen in
Nordrhein Westfalen auf 60 minütige Stunden, wobei die Gesamtunterrichtszeit pro Fach gleich blieb, längere Schultage ergaben sich daraus also nicht.




Unterrichtsbeginn während Fliegeralarmierungen

alternative Erklärung alternative Erklärung


Verlängerung der Sommerferien 1952

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